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Das Limonenhaus

DETAILS

Titel: Das Limonenhaus
Autor: Stefanie Gerstenberger
Verlag: Diana
ISBN: 9783453354289
Erscheinungsdatum: 02.11.2009
Seitenzahl: 464

  
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Meet The Author

"Stefanie Gerstenberger, 1965 in Osnabrück geboren, studierte Deutsch und Sport. Sie wechselte ins Hotelfach, lebte und arbeitete u. a. auf Elba und Sizilien. Nach einigen Jahren als Requisiteurin für Film und Fernsehen begann sie selbst zu schreiben. Ihr erster Roman «Das Limonenhaus» wurde von der Presse hoch gelobt und auf Anhieb ein Bestseller, gefolgt von »Magdalenas Garten«, »Oleanderregen«, »Orangenmond«, »Das Sternenboot« und »Piniensommer«. Die Autorin wurde mit dem DELIA-Literaturpreis ausgezeichnet und lebt mit ihrer Familie in Köln. "

Ein Haus voller Trauer und Zitronenduft birgt ein altes Geheimnis…
Nach dem Tod ihres Bruders und seiner Frau will Lella deren Tochter Matilde zu sich nach Köln holen. Doch der sizilianische Clan ihrer Schwägerin verweigert ihr das Mädchen, denn eine alte Fehde steht zwischen den beiden Familien. Verzweifelt versucht Lella, die Hintergründe dieses Streits aufzudecken, immer in der Hoffnung, ihren Anspruch auf Matilde doch noch durchsetzen zu können. Im Limonenhaus, dem Haus ihrer Mutter, findet sie in einer alten Familienbibel einige lose Tagebuchseiten. Sie ahnt zunächst nicht, dass diese der Schlüssel sind zu

 

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DAS LIMONENHAUS – Die Geschichte hinter der Geschichte

Fare la fuitina, wird im Wörterbuch folgendermaßen übersetzt: südital. -mit dem Geliebten / der Geliebten durchbrennen…

Eine Gepflogenheit, die also besonders in Süditalien stattfindet. Soweit so gut, wenn die Flucht auf gegenseitigem Einverständnis beruht.

Doch was für ein furchtbarer „Brauch“ die fuitina fuiziva“, die „gewaltsame Entführung“ war, bekam ich auf Sizilien von meiner Freundin Maria Carnevale erzählt. Bis weit in die 50er, 60er Jahre drohte einem unverheirateten Mädchen ständig die Gefahr, entführt zu werden, sobald sie unbeaufsichtigt war, selbst wenn sie schon mit einem Anderen verlobt war. Väter, Onkel und Brüder mussten also ständig auf das Mädchen aufpassen. Ansonsten konnte es passieren, dass es von dem, der sie gegen ihren Willen heiraten wollte, mit Hilfe seiner Freunde in ein Versteck gebracht, meist in einsame Häuser oder Schuppen auf dem Land, und dort ein oder mehrere Nächte festgehalten wurde. Manchmal wurde die junge Frau von dem „Bräutigam“ vergewaltigt, aber nicht immer. Diese Tatsache war auch nicht entscheidend: Wenn das Mädchen nach Hause kam, war seine Ehre sowieso dahin, es war befleckt, oder wie man sagte: toccata, berührt. Das einzige, was es tun konnte war, seinen Entführer / Vergewaltiger zu heiraten und mit dieser „matrimonio riparatore“ seine eigene Ehre und die der gesamten Familie wieder herzustellen.

Mir ist körperlich richtiggehend schlecht geworden, als ich diese Details zu hören bekam. „Und die Frauen?“, fragte ich Maria. „Die Mütter, Tanten, Nachbarinnen? Warum haben die mitgespielt, warum haben die dem „Brautpaar“ sogar feierlich das Ehebett der Eltern bereitet, damit alles wieder „in Ordnung“ kam!? Das Mädchen war doch unschuldig!“

„Das war damals eben so. Das Mädchen war entehrt, keiner, außer ihrem Entführer hatte sie haben wollen“, war die Antwort.

Erst 1966 hat sich die entführte und vergewaltigte Franca Viola gewehrt, indem sie die matrimonio riparatore ausschlug und ihren Peiniger (der nach einer Heirat mit ihr straffrei ausgegangen wäre) stattdessen anzeigte. Die überaus mutige junge Frau wurde in ihrem Dorf angefeindet, doch von ihrem Verlobten und ihren Eltern unterstützt, und erreichte, wenn auch erst 1981 (!) eine Gesetzesänderung. Die Heirat, die alle strafbaren Handlungen des Mannes wie ungeschehen machte, wurde für immer aus dem italienischen Gesetzbuch verbannt.

Bevor ich nach Sizilien kam, hatte ich schon eine Geschichte entwickelt, in der zwei Familien sich á la Romeo und Julia zerstritten hatten und nicht mehr miteinander redeten. Ich wusste nur noch nicht, was der Grund dafür sein könnte, doch nach meinen Gesprächen mit Maria und auch einigen Frauen, die beinahe Opfer einer fuitina fuiziva geworden wären, hatte ich den passenden schwerwiegenden Vorfall, der mir selber den Atem nahm, gefunden, und ich konnte beide Stränge miteinander verweben.

 

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